Mittwoch, 27. Mai 2009

Moderieren heisst vor allem, andere zum Reden zu bringen

Es ist ärgerlich, wenn Moderatoren meinen, sie müssten mit diskutieren. Ich habe mich immer wieder bei Frank A. Meyer geärgert, weil er sich beim Moderieren nicht MORDERAT verhalten wollte.

Bei seinen Moderationen sprach er manchmal länger die Befragten und gewichtete seine Position zu offensichtlich . Moderieren heisst jedoch, sich zurücknehmen und ein Gespräch lenken, führen und zum Ziel führen. Ein guter Moderator, bringt die Gesprächteilnehmer zum Reden. Es nimmt sich bewusst zurück. Nach meiner Kritik am Moderationsstil bei Frank A. Meyer sandte mir der bekannte Journalist ein Mail und wollte mir klar machen, dass er einen anderen Moderationsstil pflege, den ich wahrscheinlich nicht kenne, er moderiere nämlich bewusst diskutierend.

Dass es Fälle gibt, bei denen ein Moderator auch mit diskutieren darf, gibt es tatsächlich. Doch handelt es sich dann um eine besondere Moderationsform, wie sie ein Teamleiter kennen muss.

Vor allem in einem Team soll und darf ein Leiter mit diskutieren.

Doch diese Gesprächsleitung hat nichts zu tun mit der üblichen Moderation in den elektronischen Medien.

Im Buch TEAM und KOMMUNIKATION weise ich auf diese besonders heikle Form der Gesprächsleitung hin:

Wenn ein Moderator in erster Linie auf der Prozessebene leiten muss (Gespräch steuern, Zeitplan managen, Langredner zurückbinden und mit Fragen das Gespräch lenkt usw), so darf ein Teamleiter - wie jedes andere Teammitglied - auch auf der Sachebene seine Ideen einbringen.

Doch darf das Team erwarten, dass sich der Teamleiter auch an die Spielregeln hält und auf Uebertretungen sofort reagiert und eingreift. Das Team wünscht vor allem, dass der Teamleiter seine Beiträge nicht bevorzugt oder mehr gewichtet (weil er der Chef ist!) Der Beitrag des Teamleiters darf nicht mehr Gewicht haben, als die Aussagen der Teammitglieder.

Wenn im Team geleitet wird, gilt somit immer, zwischen Prozess und Sachebene zu unterscheiden.

Bei üblichen Moderationen ist ein Mitdiskutieren verpönt.

Die Gesprächsleitung im Team muss deshalb besonders gelernt und geübt werden. Sie ist nicht einfach.

Ich habe mir die Moderation beim Literaturclub verschiedentlich betrachtet und festgestellt, dass in diesem Sendegefäss die Moderation mit der dem Leiten eines Teams verglichen werden könnte. Denn die Moderatorin stellt wie die anderen ein gelesenes Buch ebenfalls selbst vor und darf in der Runde mit diskutieren.

Doch hat sie das gleiche Problem wie eine Gespräachsleiterin eines Teams.

Heute am 27. Mai wurde Iris Radisch im DRS 2 zu ihrer Arbeit als Moderatorin interviewt.

Die Antworten der Moderatorin haben mich interessiert. Die Leiterin des Literaturclubs wurde unter Anderem mit dem Vorwurf konfrontiert, sie dominiere in den Sendungen zu stark und bringe ihre Meinung zu missionarisch ein.

Nach meinem Dafürhalten müsste die Profi Moderatorin folgende Antworten überdenken. Ich setze bei diesen Aussagen einige Fragezeichen. Radisch:

Ich riskiere bewusst viel. Lieber eine riskante Sendung, als eine langweilige.

Ich will nicht (mit Stichworten) abfragend durch eine Sendung führen. Ich will meine Meinung einbringen.

Ich habe etwas Missionarisches und will bewusst Leute dazu bringen, ein Buch gut zu finden.

Ich möchte , dass andere das Buch gut finden, das ich auch gut finde. Und es freut mich, wenn andere das gut finden, was ich gut finde.

Gott sei Dank gehen bei mir manchmal die Pferde durch. Die Sache ist mir zu wichtig und ich kann mich aufregen, wenn...

Ich hatte früher geschireen. Um etwas zu bewirken musste man in Deutschland manchmal mit dem Megafon schreien. In der Schweiz habe ich viel später erkannt, dass das Publikum das Tempo und diese Lautstärke nicht liebt.

Kommentar: Die Berlinerin hatte zwar eingesehen, dass die Schweizer auf die Berliner Schnauze sauer reagieren können. Laut und schnell - aus deutschen Munde - kommt nie gut an. Steinbrück lässt grüssen.

Iris Radisch sollte jedoch auch noch den zweiten Lernschritt wagen und auf das Missionarische verzichten. Sie müsste lernen, zuhörend zu moderieren. Moderieren heisst, nicht nach Stichworten abfragen, sondern mitdenken, Meinungen einander gegenüber stellen und Gegensätze bewusst machen, Sachverhalte herausschälen und auf den Punkt bringen. Dann ist moderieren alles andere als langweilig. Ob Iris Radisch diesen zweiten Lernschritt auch noch unter die Füsse nimmt?

Iris Radisch müsste vielleicht die Frage gestellt werden, ob andere Menschen auch das gerne essen müssen, das sie bevorzugt und die Menschheit jene Kleider schön finden müssen, die der Journalistin gefallen. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass eine Moderatorin ein Gespräch dermassen missionarisch führt.

LINKS:

  1. Moderieren - aber wie?

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